AFRAC-Stellungnahme 27 FAQs

10.08.2016

Wann ist die AFRAC-Stellungnahme erstmalig anzuwenden?

War bislang lediglich für Pensionsrückstellungen eine versicherungsmathematische Bewertung gefordert, ist diese für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2015 beginnen auch für alle anderen vergleichbaren langfristig fälligen Verpflichtungen vorgesehen.

Eine vorzeitige Anwendung war möglich.

Beispiele: Benötigte ein Unternehmen eine Stichtagsberechnung zum 31.12.2016, fällt diese bereits unter die Vorgaben von AFRAC.

Hat ein Unternehmen hingegen erst Stichtag zum 31.3.2016, kann das Unternehmen die AFRAC-Stellungnahme anwenden. Eine Bewertung gemäß AFRAC-Vorgaben ist erst mit Stichtag 31.3.2017 schlagend.

Für welche Rückstellungsarten sind versicherungsmathematische Berechnungen gemäß AFRAC vorgesehen?

Rückstellungen für Pensions-, Abfertigungs-, Jubiläumsgeld- und vergleichbare langfristig fällige Verpflichtungen nach den Vorschriften des Unternehmensgesetzbuches.

Urlaubsgeldrückstellungen z.B. sind keine langfristigen Verpflichtungen und müssen daher auch nicht versicherungsmathematisch gemäß AFRAC gerechnet werden.

Welche Berechnungsvarianten sind gemäß AFRAC möglich?

Für die Berechnung der genannten Verpflichtungen kommen 4 verschiedene Berechnungsvarianten in Frage:

Zur Ansammlung der Rückstellungen kann wahlweise entweder die PuC-Methode („projected Unit Credit Methode", Verfahren der laufenden Einmalprämien) oder das Teilwertverfahren angewendet werden.

Wann wähle ich welche Berechnungsvariante?

Es kommt darauf an,

- ob Sie bisher versicherungsmathematisch oder finanzmathematisch gerechnet haben.

Wenn Sie bereits versicherungsmathematisch gerechnet haben, dann stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, auf eine andere Methode umzustellen, z.B. vom Teilwertverfahren auf die PUC-Methode (eine Umstellung der Methode ist im Anhang anzugeben).

- Wenn bis dato finanzmathematisch gerechnet wurde und das Unternehmen nach IFRS bilanziert, dann ist es mitunter naheliegend die IFRS-Werte auch für die UGB-Rückstellung anzusetzen.

- Wenn bis dato finanzmathematisch gerechnet wurde und das Unternehmen bilanziert nicht nach IFRS, dann sind sowohl Teilwert als auch die PUC-Methode möglich. Tendenziell ist das „TW-Verfahren mit Durchschnittszinssatz" eher der „lten Realzinssatzmethode" näher.

Nach bisheriger Erfahrung steigen die Rückstellungswerte bei Umstieg von der bisher angewandten finanzmathematischen auf die versicherungsmathematische Berechnung gemäß AFRAC, insbesondere bei einem Mitarbeiterbestand mit längerem Durchrechnungszeitraum.

In der Regel liefert die PUC Methode in der Anwartschaftsphase (etwas) niedrigere Werte als das TW-Verfahren!

Warum können die Rückstellungen bei versicherungsmathematischer Bewertung gemäß AFRAC gegenüber der bisher angewandten finanzmathematischen Methode ansteigen?

- Die Anwendung der versicherungsmathematischen Methode (Berücksichtigung der Biometrie) wirkt sich bei Abfertigungen aber auch bei Jubiläumsgeldern kaum aus. Wenn sie sich auswirkt, dann müsste durch die Einbeziehung der Sterbetafeln die Rückstellung eher sinken.

- Aber!

1. Bei den Berechnungen gemäß AFRAC dürfen keine Fluktuationsabschläge mehr angesetzt werden – manchmal wurden diese bei der finanzmathematischen Berechnung zu hoch angesetzt. Es dürfen nur mehr Fluktuationswahrscheinlichkeiten, die aufgrund einer statistisch geeigneten Datenbasis ermittelt wurden, verwendet werden, was übrigens künftig auch für finanzmathematische Berechnungen (bei Verbleib bei der vereinfachten Methode) vorgeschrieben ist.

Falls keine geeignete statistische Datenbasis zur Ermittlung von Fluktuationswahrscheinlichkeiten vorliegt, ist bei den Vergleichsberechnungen (versicherungsmathematisch gemäß AFRAC) auf die Berücksichtigung von Fluktuationswahrscheinlichkeiten zu verzichten. Dies hat in der Regel eine höhere Rückstellung zur Folge.

2. Ein wesentlicher Faktor für eine Erhöhung der Rückstellungen sind die Gehaltssteigerungen (die Valorisierung der Gehälter). Bei der bisherigen finanzmathematischen Methode wurden diese in den meisten Fällen implizit im verwendeten Realzinssatz berücksichtigt. Diese Methode ist nicht mehr zulässig, es müssen die Gehaltssteigerungen nun extra in die Bewertungen einfließen. Die daraus resultierenden Erhöhungen der Rückstellung sind umso schlagender je mehr Dienstjahre eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter noch vor sich hat.

Schlussfolgerung: Vergleicht man die finanzmathematische Berechnung unter Einbeziehung korrekt ermittelter Fluktuationswahrscheinlichkeiten und Gehaltssteigerungen mit der versicherungsmathematischen Berechnung gemäß AFRAC sind die Abweichungen deutlich geringer.

Welcher Rechnungszinssatz ist anzuwenden?

Zur Bewertung der Gesamtpensionsverpflichtung ist einer der beiden folgenden Zinssätze anzuwenden:

a) der Stichtagszins = jener Zinssatz, zu dem sich ein Unternehmen mit hochklassiger Bonitätseinstufung am Abschlussstichtag der durchschnittlichen Restlaufzeit der Verpflichtungen im Wesentlichen entsprechendes Fremdkapital beschaffen kann (aktueller Zinssatz) oder

b) der Durchschnittszinssatz, wobei ein Wahlrecht bei der Ermittlung des Durchschnitts-zinssatzes in einem Zeitraum zwischen 5 und 10 Jahren besteht (statt bisher 7 Jahre).

Wird ein Durchschnittszinssatz gewählt, ist es nicht nur möglich den zum Bilanzstichtag gültigen Durchschnittszinssatz zu verwenden, sondern alternativ auch den der 3 vorangegangenen Monate. 3

Was hat es mit der Wahl der Laufzeit/Duration auf sich?

Das Fachgutachten sieht hier vereinfachend vor, dass für die Ermittlung des Zinssatzes eine Restlaufzeit von 15 Jahren angenommen werden kann (wenn es keine erheblichen Bedenken dagegen gibt).

arithmetica empfiehlt die Laufzeit des Durchschnittszinssatzes der Duration der Verpflichtung anzupassen.

Wann wähle ich welchen Zinssatz aus? Welche Vorteile, welche Nachteile gibt es?

Stichtagszinssatz: Dieser ist zurzeit deutlich niedriger als der Durchschnittszinssatz, daraus ergeben sich höhere Rückstellungen.

Durchschnittszinssatz: Dieser ist weniger Schwankungen unterlegen, und kann schon drei Monate vor dem Bilanzstichtag ermittelt werden. Damit können die Berechnungen schon vor dem eigentlichen Stichtag durchgeführt werden.

Der Durchschnittszinssatz ist zurzeit höher als der Stichtagszinssatz. Je nach Wahl des Durchschnittszeitraumes „nimmt man noch die guten Jahre mit".  In Zeiten, in denen die Zinssätze steigen, schleppt man dann aber auch die schlechteren Jahre mit.

Woher weiß ich, welche die „beste" Variante und der „beste Zinssatz" für mein Unternehmen ist?

Mögliche Entscheidungskriterien hierfür sind:

- Was wurde bisher gemacht (schon versicherungsmathematisch oder finanzmathematisch?)

- Wird schon oder in naher Zukunft nach IFRS bilanziert?

- Welche Terminvorgaben habe ich für meinen Abschlussstichtag?

- Wie geht das Unternehmen mit Zinssatzschwankungen um?

Kann ich in den nächsten Jahren die Berechnungsvariante und den Zinssatz nochmals ändern?

Nein! Die gewählte Berechnungsvariante – das Verfahren und der einmal festgelegte Zinssatz bzw. der Durchschnittszeitraum - ist stetig anzuwenden.

Wenn jedoch ein vorgezogener Umstieg auf die versmathematische Methode gemäß AFRAC erfolgte, kann dann noch eine Änderung des Zinssatzes vorgenommen werden?

Ja! Hat ein Unternehmen bereits nach AFRAC mit dem Durchschnittszinssatz der letzten 7 Jahre laut AFRAC-Stellungnahme vom Juni 2015 bilanziert, kann die Firma auf einen Durchschnittszinssatz mit einem Durchrechnungszeitraum der letzte 5-10 Jahre umstellen.

Müssen biometrische Wahrscheinlichkeiten berücksichtigt werden?

Wird eine versicherungsmathematische Berechnung vorgenommen, sind damit Sterblichkeit, Invalidisierungswahrscheinlichkeit oder die Verheiratungswahrscheinlichkeit durch die sog. Sterbetafeln mit eingeschlossen.

Die stärksten Effekte sind dabei bei Pensionsrückstellungen zu erkennen. Der Ansatz von Fluktuationsabschlägen ist nicht mehr zulässig. Wenn Fluktuationen berücksichtigt werden sollen, vorausgesetzt, es steht ausreichend statistisches Material zur Verfügung, müssen Fluktuationswahrscheinlichkeiten (eventuell differenziert nach einzelnen Gruppen von Mitarbeitern) angesetzt werden. Diese lassen sich beispielsweise mittels einer Fluktuationsanalyse über die letzten 3 bis 5 Jahre ermitteln.

Wenn kein ausreichendes Material vorhanden ist (z.B. zu kleiner Bestand bei den jeweiligen Verpflichtungen) oder Mitarbeiter im Abfertigungsbestand fluktuieren nicht mehr, dann werden keine Fluktuationen angesetzt.

Müssen Gehaltstrends berücksichtigt werden? Und wie werden diese ermittelt?

Ja! Gehaltstrends sind zu berücksichtigen.

Häufig liegt der Firma bereits ein Gehaltstrend vor, der in der Berechnung berücksichtigt werden kann. Andernfalls kann dieser von arithmetica errechnet werden. Hierfür wird der Personalbestand der letzten 3 bis 5 Jahre analysiert.

Können künftig Hochrechnungen durchgeführt werden?

Aufgrund des sich jährlich ändernden variablen Zinssatzes – Stichtagszinssatz ebenso wie Durchschnittszinssatz – sind bilanzierungsfähige Hochrechnungen der unternehmensrecht-lichen Rückstellungen nicht mehr möglich.

Etwaige Hochrechnungen dienen bestenfalls zur groben Orientierung.

In welchem Fall ist weiterhin eine vereinfachte Bewertung der Rückstellungen (finanzmathematisch) möglich?

Eine vereinfachte Bewertung ist dann zulässig, wenn diese Vereinfachung zu keinen wesentlichen Unterschieden gegenüber einer versicherungsmathematischen Bewertung führt (Maßgeblichkeit). Siehe dazu nächsten Punkt.

Für Pensionsrückstellungen ist eine versicherungsmathematische Bewertung nach wie vor verpflichtend.

Wozu brauche ich eine Vergleichsberechnung / Vergleichsberechnungen?

Alle Parameter der Vergleichsberechnung müssen AFRAC-konform sein (Zins, Fluktuation, Pensionsalter, Gehaltssteigerung, Sterbetafel) ACHTUNG: bei Pensionsalter, Fluktuation und Gehaltssteigerungen, hier kann es Abweichungen zur finanzmathematischen Berechnung geben, da bei den finanzmathematischen Berechnungen oft ein Fluktuationsabschlag und ein nicht gesetzeskonformes Pensionsalter verwendet wurde. Auch ist bei manchen finanzmathematischen Berechnungsprogrammen nicht vorgesehen, Gehaltssteigerungen zu berücksichtigen.

a) Ermittlung der Maßgeblichkeit: Hinsichtlich Stichtag der Vergleichsberechnung - zur Feststellung ob eine verlässliche Annäherung der finanzmathematischen zur versicherungsmathematischen Berechnung vorhanden ist-, liegen keine näheren Informationen in der AFRAC-Stellungnahme vor. Die Maßgeblichkeit kann grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt innerhalb des Geschäftsjahres ermittelt werden.

Für die Ermittlung zum Geschäftsjahresbeginn spricht, dass der Firma bereits eine finanzmathematische Berechnung vorliegt und somit könnte im Zuge der Vergleichsberechnung auch der Unterschiedsbetrag errechnet werden, der bei einem möglichen Umstieg über die nächsten 5 Jahre verteilt werden kann. Wird der Unterschiedsbetrag als Vergleichsberechnung herangezogen und als wesentlich eingestuft, muss die Stichtagsberechnung zum Geschäftsjahresende nach versicherungsmathematischen Regeln gemäß AFRAC und aktuellem Personenbestand vorgenommen werden. Ist angedacht den Unterschiedsbetrag im Folgejahr sofort ergebniswirksam zu erfassen (also keine Verteilung), bringt dies keinen zusätzlichen Vorteil.

Die Ermittlung der Maßgeblichkeit zum Geschäftsjahresende hat den Vorteil, dass diese Berechnung ggfls. bereits als Stichtagsberechnung gemäß AFRAC verwendet werden kann (ein Gutachten hierfür wird bei Bedarf nachgereicht). Allerdings muss parallel eine finanzmathe-matische Berechnung durch die Firma oder durch das Aktuariat durchgeführt werden. Die Ermittlung des Unterschiedsbetrages für eine mögliche Verteilung dessen über 5 Jahre muss dann zu Geschäftsjahresbeginn nachgeholt werden.

b) Ermittlung des Unterschiedsbetrages Die Ermittlung des Unterschiedsbetrages für eine Verteilung über 5 Jahre muss zu Geschäftsjahresbeginn erfolgen.

Was ist bei Verbleib in der vereinfachten (finanzmathematischen) Bewertung zu beachten?

a) Ein Fluktuationsabschlag ist nicht mehr erlaubt, es dürfen ebenso wie bei der versicherungsmathematischen Bewertung gemäß AFRAC nur mehr Fluktuationswahrscheinlichkeiten angesetzt werden.

b) Gehaltstrends sind ebenfalls zu berücksichtigen

c) arithmetica empfiehlt alle 3 bis 5 Jahre eine Kontrollrechnung (finanzmathematisch / versicherungsmathematisch) gemäß AFRAC durchzuführen.